Stillen und Empfängnisverhütung

Es ist Euch bestimmt bewusst, dass das Stillen, die Bereitschaft wieder schwanger zu werden, beeinflusst!
Das Stillen verhindert eine erneute und zu “frühe” weitere Schwangerschaft, damit Ihr euch als Mutter konzentriert mit dem Stillkind befassen könnt und es natürlich auch ausreichend und zuverlässig versorgt.
Wenn Ihr euch die Geburtenfolge in der Dritten Welt anschauet, dann stellt ihr fest, dass dort bei den Müttern, die ihre Kinder länger als 12 Monate stillen, der Abstand zum nächsten Kind durchschnittlich 2 bis 3 Jahre beträgt und das ohne zusätzliche Verhütung.

 

Es ist aber auch vom Stillverhalten der Mutter und des Kindes abhängig, ob ohne zusätzliche Verhütung eine bzw. keine weitere Schwangerschaft eintritt. Oftmals erfolgt der erste Eisprung völlig unbemerkt und die Wahrscheinlichkeit ohne zusätzliche Verhütung wieder schwanger zu werden, besteht dann wieder. Wenn Ihr als Mutter aber Euer Kind häufig stillt und somit den Hormonspiegel aufrechterhaltet, findet ein Eisprung erst viel später statt.
Wissenschaftler haben im August 1998 in Bellagio/Italien Beobachtungen von stillenden Müttern sowohl in Entwicklungs- als auch in Industrieländern zusammengefasst und als Ergebnis festgestellt, dass ein Verhütungsschutz während der Stillzeit zu einem maximalen geburtenregulierenden Effekt führt, wenn die Mutter voll oder nahezu vollstillt und nicht menstruiert. (Quelle: E.Sporleder, IBCLC)

 

Wenn diese beiden Voraussetzungen vorliegen, dann bietet das Stillen einen Verhütungsschutz von mehr als 98 % während der ersten 6 Monate nach Geburt des Stillkindes. (Quelle: Kennedy 1989, E.Sporleder,1998)

 

Wichtig ist auch, während der ersten 6 Monate das nächtliche Stillen beizubehalten. In dem Moment aber, wenn Ihr Beikost einführt, Tee oder Saft anbietet, oder sogar künstliche Säuglingsnahrung füttert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Ihr wieder empfängnisbereit seid. Ihr werdet nun sicherlich zu recht sagen, dass Euer Kind aber schon erfolgreich durchschläft, das soll es auch unbedingt weiter

 

Das Stillen bietet keinen Empfängnisschutz, wenn Ihr während der Stillmahlzeiten Abstände von 6 Stunden und mehr habt, wenn Ihr weniger als 5 mal pro Tag stillt und das gesamte Saugen an der Brust weniger als 65 Minuten am Tag beträgt. (Quelle: McNeilly 1983, E. Sporleder, 1998).

 

Es ist aber auch immer wieder vom eigenen Körper abhängig, wann ein Eisprung erfolgt. In Stillgruppen habe ich auch immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die Menstruation einiger Mütter während der ersten 6 Monate einsetzte, obwohl sie die vorgenannten Punkte absolut erfüllten! Einige anderen Mütter erzählen, dass sie obwohl sie den Schnuller geben und/oder ihre Kinder durchschlafen, der Eisprung und die Menstruation erst nach dem ersten Geburtstag des Stillkindes einsetzt. Als stillende Mutter müsst Ihr euch im klaren sein, dass mit Einsetzen der ersten Regelblutung nach der Geburt Eures Kindes Euer Körper wieder in der Lage ist, erneut schwanger zu werden.

 

Wenn Ihr aber die Geburtsabstände kurz halten wollt, kann es durchaus schwierig sein, während der Stillzeit erneut schwanger zu werden, obwohl sich Eure Menstruation schon wieder eingestellt hat. Die Ursache für das Ausbleiben einer erneuten geplanten Schwangerschaft können die hormonellen Schwankungen sein, denen Ihr während der Stillzeit unterliegt. Wenn Ihr mit Hilfe von Kondomen, Diaphragma, Schaumzäpfchen verhütet, dann könnt Ihr sicher sein, dass diese zusätzlichen Verhütungsmittel keine Auswirkungen auf das Stillen haben. Wenn Ihr euch eine Spirale einsetzen lasst, so kann es sein, dass Ihr sie während der Stillzeit gut vertragt oder auch nicht. Es kann nämlich durchaus zu Uteruskonktraktionen durch das Ihnen bereits bekannte Hormon Oxytocin kommen. (Quelle: Cole, 1983/Chi, 1989/ E.Sporleder 1998) Wenn Ihr euch für die “Pille” als Verhütungsmittel während der Stillzeit entscheiden wollt, ist ein ausführliches Gespräch zwischen Euch und Eurem Gynäkologen/Gynäkologin sehr, sehr wichtig. Ihr solltet diese Einnahme genauso gut abklären (wenn nicht sogar noch intensiver), wie die Wahl eines passenden Arzneimittels während der Stillzeit. Leider hat die Stillzeit für viele Mediziner/innen in Europa immer noch nicht die Bedeutung, die ihr tatsächlich zusteht.
Dass heißt, das Wissen dieser medizinischen Fachleute ist oftmals nicht so ausreichend, wie es sein muß. Deshalb müsst Ihr euch als Stillmutter viele Informationen beschaffen, um aufgeklärt zu sein und abwägen zu können, ob orale Kontrazeptiva (Pille) für Euch geeignet sind! Es gibt die Pille, als Kombinationspräparat, das Östrogen und Progesteron enthält. Da diese Hormone Ihre Muttermilchmenge verringern und sogar deren Zusammensetzung und auch noch zu einer geringeren Zunahme bei Ihrem Kind führt, ist die “Pille” während der Stillzeit nicht geeignet. Bei Einnahme der “Pille” entsteht ein Teufelskreis, bei dem letztendlich vorzeitig abgestillt wird, künstliche Säuglingsnahrung oder feste Nahrung eingeführt wird. (Quelle: WHO 1988, Hall 1981,Croxatto 1983, Peralta 1983, E.Sporleder 1998)

 

Derzeit gibt es auch neuere Präparate auf dem Markt, die niedrigere Dosen an Östrogenen enthalten. Aber auch diese sind nicht empfehlenswert, da bereits geringe Mengen in die Muttermilch übergehen und somit zu Eurem Kind (Quelle: Hall 1981, Harlap 1987, E. Sporleder 1998). Leider gibt es bisher noch keine mehreren verlässlichen Studien hierüber, aber einige Experten warnen vor möglichen Langzeitauswirkungen bei den gestillten Kindern. (Einzig bekannte Langzeitstudie ist die von Nilsson, 1986, die Kinder bis zum 8. Lebensjahr beobachtete/ Quelle: E.Sporleder, 1998).

 

Die sogenannte “Minipille” die nur das Hormon Progesteron enthält, hat keine nachteiligen Auswirkungen auf die Muttermilchmenge und deren Zusammensetzung. Wichtig ist hierbei aber besonders, dass Ihr euch als Mutter ausgewogen ernährt! Es ist aber auch von Gynäkologe zu Gynäkologe unterschiedlich, ob sie die “Minipille” verschreiben.
Um ganz sicher zu sein, dass mögliche Auswirkungen bei Eurem Kind erkennbar sind, solltet Ihr die Einnahme eines hormonellen Verhütungsmittel so lange hinausschieben, bis Euer Kind älter geworden ist und ggfls. abgestillt ist.

 

Ich habe selbst in meiner langen Stillzeit meinen Körper viel besser als vorher beobachten gelernt und deshalb kam ich auch sehr gut ohne zusätzliche Verhütungsmittel klar. Denn ich habe auf meine eigenen körperlichen Anzeichen und Veränderungen vor und während eines Eisprunges geachtet. Ihr könnt Veränderungen im Zervixschleim feststellen, aber auch die Öffnung des Muttermundes ertasten. Während Eurer Stillzeit bemerkt Ihr auch vor dem ersten Eisprung einen wesentlich stärkeren Schleimabgang, als Ihr es vorher während Eurer regelmäßigen Menstruation vor der Geburt Eures Kindes. Dieser Schleimabgang ist ein zuverlässlicher Hinweis auf eine erneute Fruchtbarkeit. Empfehlen möchte ich Euch auch sehr informative und interessante Vorträge zu diesem Thema “Natürliche Familienplanung”, die zum Beispiel bei den Familienbildungsstätten gehalten werden. Eine andere oder auch zusätzliche Methode ist das Messer der eigenen Körpertemperatur kurz nach dem morgendlichem Aufwachen. Es gibt seit einigen Jahren sogar kleine handliche Computer, die die Temperatur messen, sogar notieren und sicher auszuwerten lassen.

 

Ich hoffe, ich konnte Euch einige Entscheidungshilfen über die richtige und mögliche Empfängnisverhütung während Ihrer Stillzeit geben! Wichtig finde ich auch, wenn Ihr Eure Erfahrungen anderen Müttern weitergebt, sei es in Gesprächen in einer Stillgruppe oder Krabbelgruppe, damit keine Frau mit den vielen Fragen rund um die Verhütung während der Stillzeit allein dasteht.





ausdrucken
weiterempfehlen

Weitere Einträge der Kategorie:

Sexualität während der Stillzeit
Sexualität während der Stillzeit Nach der Geburt Ihres Kindes wird oft erwartet, dass der Alltag wieder völlig normal und ohne Störungen weiter läuft. Aber das ist auf keinen ...

>> mehr

Die Rolle des Partners während der Stillzeit
“Wir haben vorgestern einen kleinen Sohn bekommen und wir möchten gerne zu Ihnen in die Stillgruppe kommen!” Dieser Anruf erreichte mich vor einigen Tagen und ich freute mich, ...

>> mehr

Abstillen – Der richtige Zeitpunkt
Oft werde ich als Stillberaterin gefragt, wann denn der richtige Zeitpunkt des Abstillens gekommen ist. Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn das Abstillen kann ganz unterschiedlich ...

>> mehr

Ratgeber zu Stillen, Säuglingsnahrung und Gläschenkost
Wenn Säuglinge dauernd an Eistees nuckeln, kann das verheerende Wirkungen haben. Die Tees enthalten nämlich Zitronensäure, die den Zahnschmelz auflösen kann. Darauf weisen die ...

>> mehr zum Thema Säugling und Ernährung

Schnuller und Flasche
Egal, ob Sie Ihr Baby gestillt haben oder nicht – das Thema „Saugen, Lutschen, Nuckeln“ ist für die meisten Einjährigen noch keineswegs vorbei. Siegmund Freud nannte das ...

>> mehr

Muttermilch, ein sicheres Lebensmittel
Rückstandsgehalte sind in den letzten 30 Jahren gesunken   Immer wieder werden stillende Mütter durch Berichte über Schadstoffe in der Frauenmilch verunsichert. Um das mit dem ...

>> mehr

Wir helfen gern - Unerfüllter kinderwnsch
Unerfüllter Kinderwunsch Beratungsnetzwerk Kinderwunsch (BKiD) gründet Verein In Deutschland sind ca. 1,5 Millionen Paare ungewollt kinderlos. Während die Fortschritte der ...

>> mehr

6 Monate stillen...
Die WHO empfiehlt... WHO-Resolution: 6 Monate ausschließlich stillen! ...

>> mehr

Stillen in den ersten Lebenstagen
Stillen in den ersten Lebenstagen und die Grundregeln des Anlegens Nun ist endlich Ihr Baby da! Die Anstrengungen und Schmerzen der Geburt sind schon fast verdrängt, weil ...

>> mehr

Ernährung während der Stillzeit
Eine besondere Bedeutung haben Lebensmittel auf die Zusammensetzung der Muttermilch.Althergebracht ist auch der Gedanke, das jeder Schluck Milch, den die Stillende trinkt ...

>> mehr

Umfrage:





Newsletter



Möchtest Du regelmäßig über alle
Neuheiten und den wichtigsten News
von Kidnet informiert werden ?
Email:

Vorname:

Name:


Sicherheitscode eingeben:



kidnet Empfehlung


Vergleichen Sie Preise von Apotheken bei apomio.de


HOME | IMPRESSUM | RECHTLICHE HINWEISE | TEAM
© 1997 - 2012 kidnet.de