Stillen in den ersten Lebenstagen
Stillen in den ersten Lebenstagen und die
Grundregeln des Anlegens
Nun ist endlich Ihr Baby da!
Die Anstrengungen und Schmerzen der Geburt sind schon fast verdrängt, weil Ihr Baby nun
mit großen erwartungsvollen und ganz wachen Augen auf Ihrem Bauch liegt und Sie anschaut.
Als wollte es sagen: Du bist also meine Mutter, nimm mich an, so wie ich bin, denn ich bin
Dein Kind!
Diese Momente werden Sie wohl nie wieder in Ihrem Leben vergessen, denn sie sind
unwahrscheinlich intensiv und einfach wunderschön. Nach diesem Genießen werden Sie auch
den Wunsch haben, Ihr Baby zum ersten Mal anzulegen.
Wie selbstverständlich saugt es auch gleich, denn schließlich hat es sich im Mutterleib
bereits durchs Lutschen und Saugen an den eigenen Fingern darauf vorbereitet. Und es saugt
gleich wie ein Profi. Nun hat es auch das, was es einfach für sein Leben außerhalb des
Mutterleibes braucht: Ihre Nähe, Ihre Geborgenheit, Ihren Schutz, Ihre Liebe und auch die
Nahrung.
Auch wenn Sie sich gegen das Stillen entscheiden, geben Sie
bitte Ihrem Baby gerade die so wertvolle Neugeborenenmilch (=Kolostrum) mit all seinen
Vorteilen.
Beeindruckend sind Untersuchungen, die in Skandinavien gemacht wurden und zwar dass
innerhalb anderthalb Stunden nach der Entbindung das Neugeborene vom Bauch der Mutter aus,
Krabbel- und Suchbewegungen macht, um die Brust zu finden. Schon während der
Schwangerschaft verdunkelte sich der mütterliche Warzenhof und das ist das wichtige
optische Ziel des Babies.
Ich finde es absolut beeindruckend, wie die Natur es bis
heute hinein in unsere technisierte Welt regelt, dass ein Baby selbständig seine
Fähigkeit nutzt, auf diese Art und Weise zu leben - oder denken wir an die
Entwicklungsländer - zu überleben.
Wenn Sie sich fürs Stillen entscheiden, dann ist das
Stillen nach Bedarf genau das richtige für Sie und Ihr Baby. Denn immer dann, wenn Ihr
Baby zu erkennen gibt, es möchte bei Ihnen trinken, dann legen Sie es an. Sehr bald
werden Sie seine Signale erkennen.
Als Faustregel möchte ich Ihnen folgende
Stillhäufigkeiten für die ersten Tage nennen:
1. Tag: stillen Sie Ihr Baby mindestens 4 mal innerhalb von
24 Stunden.
2. Tag: stillen Sie Ihr Baby mindestens 6 bis 8 mal
innerhalb von 24 Stunden.
3. Tag: stillen Sie Ihr Baby mindestens 8 bis 10 mal
innerhalb von 24 Stunden
Danach stillen Sie Ihr Baby nach Bedarf; bieten
Sie abwechselnd beide Seiten mindestens 10 Minuten lang an. Ihr Baby lässt Sie
grundsätzlich wissen (achten Sie wie bereits erwähnt, auf seine Signale), wann es
trinken möchte. Einige Babies möchten auch 10 bis 12 mal innerhalb von 24 Stunden
gestillt werden. Andere sind schläfrig und sollten für die Stillmahlzeit geweckt werden
(auch wenn es noch so schwer fällt, ein schlafendes Baby zu wecken).
Zu Beachten ist auch, dass sich ein Wachstumsschub
in der Zeit um den sechsten bis zum zehnten Lebenstag einstellt. Also
oftmals nach der Entlassung aus dem Krankenhaus! Ihr Baby möchte dann plötzlich
wesentlich häufiger angelegt werden (Sie fühlen sich dann oft nur noch als
“Brust”). Aber keine Angst, Sie legen Ihr Baby häufiger an und innerhalb von 2
bis 4 Tagen wird die Milchmenge soweit gesteigert, dass Ihr Baby wieder weniger gestillt
wird und die Milchmenge wieder ausreicht.
Dies ist auch der Fall wenn Ihr Baby etwa fünf bis sechs Wochen alt ist, drei Monate und
sechs Monate. Die Wachstumsschübe sind die eigentlichen Hürden, die Sie als stillende
Mutter zu nehmen haben, damit die Stillzeit erfolgreich ist. Trinken Sie unbedingt
ausreichend; also zu jeder Stillmahlzeit sollten Sie ein großes Glas mit Flüssigkeit
leer trinken.
Um auf die ersten Lebenstage zurückzukommen, möchte ich
Ihnen mit auf den Weg geben, dass je öfter Sie Ihr Baby anlegen, desto besser und
schneller wird Ihre Milch gebildet und desto weniger heftig erleben Sie den
Milcheinschuß. Sie fragen sich sicherlich, wie es kommt, dass Ihr Baby gleich bei Ihnen
trinken kann und auch tatsächlich Nahrung erhält?
Während Ihrer Schwangerschaft war Ihr Hormonspiegel (Östrogen und Progesteron) sehr
hoch, nun nach der Entbindung sinkt er ab und das eigentlich Milchbildungshormon Prolaktin
ermöglicht die allererste Stillmahlzeit. Jede nun folgende Milchbildung erfolgt durch das
Prinzip von Angebot und Nachfrage. Das Baby hilft aber auch hierbei, denn
während der ersten zwei Lebensstunden ist der Saugreflex des Babies und dann wieder nach
46 bis 72 Stunden am höchsten. Auch hier hat die Natur vorgesorgt. Für den Fall, dass
das Kennenlernen von Mutter und Kind erst später erfolgen kann, ist ein guter Beginn des
Stillens auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich.
Dies kann zum Beispiel bei einem Kaiserschnitt der Fall sein, oder dass das Baby oder die
Mutter zusätzlich medizinisch betreut werden müssen. Falls das Baby in eine andere
Klinik verlegt werden muss, ist es für Mutter und Kind sehr wichtig, die Bildung der
Muttermilch in Gang zu bringen. In diesem Fall sollte die Mutter so früh wie möglich
beginnen abzupumpen.
Mindenstens sechs mal innerhalb von 24 Stunden und etwa 20 Minuten je Brust abpumpen.
Wichtig ist auch, nachts einmal abzupumpen, denn während der Nacht ist das Hormon
Prolaktion besonders wirksam.
ausdrucken
weiterempfehlenWeitere Einträge der Kategorie:
Sexualität während der Stillzeit
Sexualität während der Stillzeit Nach der Geburt Ihres Kindes wird oft erwartet, dass der Alltag wieder völlig normal und ohne Störungen weiter läuft. Aber das ist auf keinen ...
>> mehr
Sexualität während der Stillzeit Nach der Geburt Ihres Kindes wird oft erwartet, dass der Alltag wieder völlig normal und ohne Störungen weiter läuft. Aber das ist auf keinen ...
>> mehr
Die Rolle des Partners während der Stillzeit
“Wir haben vorgestern einen kleinen Sohn bekommen und wir möchten gerne zu Ihnen in die Stillgruppe kommen!” Dieser Anruf erreichte mich vor einigen Tagen und ich freute mich, ...
>> mehr
“Wir haben vorgestern einen kleinen Sohn bekommen und wir möchten gerne zu Ihnen in die Stillgruppe kommen!” Dieser Anruf erreichte mich vor einigen Tagen und ich freute mich, ...
>> mehr
Abstillen – Der richtige Zeitpunkt
Oft werde ich als Stillberaterin gefragt, wann denn der richtige Zeitpunkt des Abstillens gekommen ist. Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn das Abstillen kann ganz unterschiedlich ...
>> mehr
Oft werde ich als Stillberaterin gefragt, wann denn der richtige Zeitpunkt des Abstillens gekommen ist. Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn das Abstillen kann ganz unterschiedlich ...
>> mehr
Ratgeber zu Stillen, Säuglingsnahrung und Gläschenkost
Wenn Säuglinge dauernd an Eistees nuckeln, kann das verheerende Wirkungen haben. Die Tees enthalten nämlich Zitronensäure, die den Zahnschmelz auflösen kann. Darauf weisen die ...
>> mehr zum Thema Säugling und Ernährung
Wenn Säuglinge dauernd an Eistees nuckeln, kann das verheerende Wirkungen haben. Die Tees enthalten nämlich Zitronensäure, die den Zahnschmelz auflösen kann. Darauf weisen die ...
>> mehr zum Thema Säugling und Ernährung
Schnuller und Flasche
Egal, ob Sie Ihr Baby gestillt haben oder nicht – das Thema „Saugen, Lutschen, Nuckeln“ ist für die meisten Einjährigen noch keineswegs vorbei. Siegmund Freud nannte das ...
>> mehr
Egal, ob Sie Ihr Baby gestillt haben oder nicht – das Thema „Saugen, Lutschen, Nuckeln“ ist für die meisten Einjährigen noch keineswegs vorbei. Siegmund Freud nannte das ...
>> mehr
Stillen und Empfängnisverhütung
Es ist Euch bestimmt bewusst, dass das Stillen, die Bereitschaft wieder schwanger zu werden, beeinflusst! Das Stillen verhindert eine erneute und zu “frühe” weitere Schwangerschaft, ...
>> mehr
Es ist Euch bestimmt bewusst, dass das Stillen, die Bereitschaft wieder schwanger zu werden, beeinflusst! Das Stillen verhindert eine erneute und zu “frühe” weitere Schwangerschaft, ...
>> mehr
Muttermilch, ein sicheres Lebensmittel
Rückstandsgehalte sind in den letzten 30 Jahren gesunken Immer wieder werden stillende Mütter durch Berichte über Schadstoffe in der Frauenmilch verunsichert. Um das mit dem ...
>> mehr
Rückstandsgehalte sind in den letzten 30 Jahren gesunken Immer wieder werden stillende Mütter durch Berichte über Schadstoffe in der Frauenmilch verunsichert. Um das mit dem ...
>> mehr
Wir helfen gern - Unerfüllter kinderwnsch
Unerfüllter Kinderwunsch Beratungsnetzwerk Kinderwunsch (BKiD) gründet Verein In Deutschland sind ca. 1,5 Millionen Paare ungewollt kinderlos. Während die Fortschritte der ...
>> mehr
Unerfüllter Kinderwunsch Beratungsnetzwerk Kinderwunsch (BKiD) gründet Verein In Deutschland sind ca. 1,5 Millionen Paare ungewollt kinderlos. Während die Fortschritte der ...
>> mehr
6 Monate stillen...
Die WHO empfiehlt... WHO-Resolution: 6 Monate ausschließlich stillen! ...
>> mehr
Die WHO empfiehlt... WHO-Resolution: 6 Monate ausschließlich stillen! ...
>> mehr
Ernährung während der Stillzeit
Eine besondere Bedeutung haben Lebensmittel auf die Zusammensetzung der Muttermilch.Althergebracht ist auch der Gedanke, das jeder Schluck Milch, den die Stillende trinkt ...
>> mehr
Eine besondere Bedeutung haben Lebensmittel auf die Zusammensetzung der Muttermilch.Althergebracht ist auch der Gedanke, das jeder Schluck Milch, den die Stillende trinkt ...
>> mehr






