Selbstbestimmt Lernen – Wege zu mehr Freude am Lernen

Paulas Mutter ist genervt. Jeden Nachmittag spielen sich in der Familie der Fünftklässlerin Dramen ab. Während Paula lustlos an ihrem Füller kaut und sich im Schneckentempo durch die Rechenaufgaben und Aufsätze quält, sitzt die Mutter neben ihr und kämpft mit sich selbst. "Warum schafft Paula es nicht, schnell mit Freude und Spaß die Aufgaben zu erledigen? So schwierig können doch die Aufgaben nicht sein, dass sie dafür zwei Stunden braucht! Lena von nebenan ist doch auch immer schneller fertig. Die Krönung ist dann auch noch das Vokabeln abfragen. Wie bekomme ich die nur in ihren Kopf?"
Für Paulas Mutter – wie für viele andere Eltern – gehören die Hausaufgaben zur konfliktreichsten Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen. Dahinter stecken oft hohe Erwartungen und Wünsche, aber auch die Angst das eigene Kind könnte in der Schule auf der Strecke bleiben. Das führt ganz besonders beim Lernen zu Hause zu einer hohen Anspannung. Wenn dann Schwierigkeiten auftauchen, ist die Geduld schnell erschöpft. Die Folge sind dann oft Ausbrüche übelster Kritik ("Wenn Du so weiter machst, schaffst Du die Schule nie!"), die man hinterher am liebsten ungeschehen machen würde.
Um solche konfliktreichen Hausaufgabensituationen zu verändern, ist es zunächst wichtig, sich darüber klar zu werden, dass das eigene Kind nicht nur aus seinen Leistungen im Schreiben und Rechnen besteht, sondern sehr viele Stärken und Talente hat, die vielleicht gar nicht unbedingt im Notenspiegel auftauchen.
Der zweite Schritt besteht darin, das Kind zum selbstbestimmten Lernen hinzuführen. Selbstbestimmtes Lernen basiert auf der Forschungsarbeit von Edward Deci und Richard Ryan. Die zwei amerikanischen Psychologen beschäftigen sich seit den 1980er Jahren mit dem Thema Motivation und haben dazu eine sehr umfassende Theorie - die sogenannte "Selbstbestimmungstheorie"- entwickelt. Deci und Ryan gehen davon aus, dass wir dann am motiviertesten sind und auch am besten lernen können, wenn drei wichtige psychologische Grundbedürfnisse erfüllt sind.
Diese drei Grundbedürfnisse sind das Bedürfnis nach Autonomie, Kompetenzerleben und Sozialer Eingebundenheit. Ein Mensch erlebt sich als autonom handelnd, wenn er beispielsweise selbst seinen Arbeitsablauf bestimmen kann. Er erlebt sich als kompetent, wenn er nachvollziehen kann, dass sein Handeln zu positiven Ergebnissen führt und er fühlt sich sozial eingebunden, wenn er mit Menschen, die er liebt und schätzt, zusammen sein kann. Eltern können selbstbestimmtes Lernen bei ihren Kindern fördern und unterstützen, indem sie bei diesen drei Grundbedürfnissen ansetzen.
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