Überlebensregeln für Eltern

Pubertät bedeutet für viele Mütter und Väter Dauerstress um blöde Antworten, schlechte Noten, sündhaft teure Pickelcreme, gruselige Outfits und den ersten festen Freund oder die erste richtige Freundin. Pubertät bedeutet andauerndes Feilschen darum, wann man abends wieder zuhause zu sein hat und wo die Coolness aufhört und das Familienleben beginnt. Pubertät bedeutet jeden Tag Streit und Geschrei oder zumindest schlechte Stimmung und immer das Gefühl, sich fremd zu werden. Keine leichte Zeit also, aber leichter überlebbar, wenn Sie folgende Überlebensregeln beachten.
Lasst Euch nicht stressen!
Versucht in allen Konflikten auch immer ein wenig das Positive zu sehen. Euer Kind fühlt sich zuhause offenbar so sicher, dass es sich gehen lassen kann. Außerdem fördert jeder Streit die Autonomie Ihres Kindes. Streits sind wie Viren: Es gehört einfach dazu, bestimmte Infekte durchzumachen, damit man später besser geschützt ist.
Gesteht Eurem Kind Stimmungsschwankungen zu!
Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt und zurück in nur zwei Millisekunden ist bei Pubertierenden keine Seltenheit. Was auf Euch launisch und unberechenbar wirken mag, hat handfeste Ursachen, die neuronalen Netze Eures Kindes stellen sich um und programmieren sich – extrem laienhaft ausgedrückt – auf „selbst entscheiden!“, ohne aber alle Stellhebel zu kennen noch in der Hand zu haben. Der Hormonhaushalt Eures Kindes gleicht einer Achterbahn. Sein vertrauter Körper verändert sich in einem erschreckend radikalen Maße, alte Freunde brechen weg und alle neuen Freundschaften werden erst einmal als unsicher erlebt – wer da nicht launisch wird, wäre zutiefst unsensibel.
Bleibt bei Eurem Erziehungsstil!
Habt Ihr Euer Kind schon immer eher viel zugetraut und es gefördert, statt es zu „bemuttern“ oder „bevatern“, könnt Ihr nicht ausgerechnet jetzt dazu übergehen, ihm kaum mehr eigene Freiräume zuzugestehen. Das wirkt wenig glaubwürdig und bewirkt mit Sicherheit nur, dass Euer Kind sich vollends von Euren Wünschen und Vorstellungen abzunabeln versucht.
Besser ist es, einfach konsequent den Erziehungsstil weiter zu verfolgen, den Ihr ganz instinktiv auch in den ersten Jahren für richtig erachtet haben. Trotzdem müsst Ihr natürlich die Zügel lockern, denn es ist ja unbestritten, dass sich der „Gegenstand“ Eurer Erziehung verändert, dass er reifer und selbstständiger, vielleicht auch rebellischer und eigensinniger wird. Da wäre es ja geradezu widersinnig, wenn Ihr versucht, einen Vierzehnjährigen genauso zu erziehen wie einen Vierjährigen. Es geht insofern nicht darum, pubertierende Kinder gleich zu erziehen, sondern in gleicher Weise.
Ein Beispiel: Wenn Ihr zu den diskussionsfreudigen Haushalten gehören, wurde früher diskutiert, ob Euer Kind noch den Sandmann sehen darf, heute wird dann eben diskutiert, ob es um zehn oder um elf nach der Party zu Hause zu sein hat. Gehört Ihr zu den Verfechtern klarer Regelwerke wurde früher vielleicht festegelegt, dass Euer Kind jeden Dienstag das Altpapier wegbringt, heute wird festgelegt, dass Euer Kind nicht länger als eine Stunde täglich Computer spielt. Das wird festgehalten und konsequent verfolgt – ohne ständige Diskussion.
Versucht weiterhin miteinander zu reden!
Kommunikation ist das A und O – in jeder sozialen Beziehung. Wenn Ihr streitet – gut. Wenn Ihr Euch anschreit – gut. Wenn Ihr miteinander heult – gut. Erst wenn ihr nicht mehr miteinander sprecht, wird es brenzlig. Dann lasst Ihr in gewisser Weise Euer Kind im Stich. Solche Erfahrungen mögen vielleicht im Eifer der Situation erklärlich erscheinen, sie sind aber später häufig nur schwer wider aufholbar. Um dies zu vermeiden, ist es hilfreich, wenn Ihr lieb gewonnene Familienrituale wie z. B. ein gemeinsames Essen am Wochenende aufrechterhaltet. Dann ergeben sich genügend Räume für gemeinsame Gespräche.
Lasst euch nicht auf ständige Diskussionen ein, aber diskutieren sie!
Bei allem Positiven, das ein gemeinsames Gespräch bewirken kann. Es kann nicht darum gehen, absolute Selbstverständlichkeiten, die im familiären Zusammenleben einfach gefordert sind, immer wieder diskutieren zu müssen. Wenn Eure Tochter also irgendwann aufhört, ihre Schmutzwäsche in den Waschkeller zu bringen, weil sie das uncool findet, wird die eben nicht mehr gewaschen – und dann vor der nächsten Party auch kein Riesentohuwabohu veranstaltet, damit das schwarze Shirt doch noch irgendwie sauber wird. Auch ein „Guten Morgen“ sollte selbstverständlich sein. Andererseits sollten wichtige Dinge, zu denen Euer Kind seine Meinung beizutragen hat, durchaus mehr in den Fokus des Verhandelbaren rücken. Wenn Euer Kind Euch mit guten Argumenten überzeugt, in diesem Sommer mal nicht in die Berge, sondern ans Meer zu fahren, ist seine Meinung eben nicht mehr als kindlicher Kommentar abzuqualifizieren („Das wird Dir schon gefallen, wirst schon sehen …!“), sondern als qualifizierter Beitrag zur Familiendebatte wertzuschätzen.
Wenn Ihr Euren Teenager in dieser Hinsicht ernst nehmt, wird er auch in anderer Hinsicht sich vielleicht eher erwachsen als kindisch verhalten.
Weiterführende Informationen: Geo Wissen (41/2008): Pubertät
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