Lob und Tadel

Loben ist erste Eltern-Pflicht, mahnt sogar ein Auto-Aufkleber: "Haben Sie Ihr Kind heute schon gelobt?" Es stimmt ja: Kinder werden so oft kritisiert – wegen des verschlabberten Kakaos, der störenden Tröte, des ruppigen Umgangs mit dem Brüderchen; da ist ein Ausgleich dringend nötig.
Also loben, loben, loben, egal, was das Kind anstellt?
Hauptsache, wir stärken sein Selbstbewusstsein und seine Persönlichkeit?
Tadel hingegen kratze an den kleinen Persönlichkeiten, erzeuge Versagensängste und schlechte Stimmung. Lob sei gut, Tadel schlecht. So steht es seitdem in vielen Erziehungsratgebern. Dabei gehört beides zum Leben und in die Erziehung
Vorsicht: Das merken selbst Dreijährige bald und sind frustriert. Viel wichtiger ist deshalb, dass sich Eltern ernsthaft mit den Leistungen der Kleinen auseinandersetzen. "Hast du die Bücher ganz allein wieder ins Regal geräumt?" So zeigen Eltern, dass die Aktivitäten ihrer Kinder ihnen wirklich wichtig sind. Und machen ihnen Mut, auch wenn mal etwas nicht ganz so perfekt klappt.
Lob und Tadel sollte nicht pauschal angewandt werden!
Richtiges Loben, aber auch Tadeln will gelernt sein. Vergehen und Verdienste sollten konkret benannt werden, pauschale Beschimpfungen oder Belobigungen schaden mehr, als sie helfen. Sätze, die mit „Immer“, „Ständig“ oder „Dauernd“ anfangen, haben bei Lob und Tadel nichts zu suchen. Besser ist es, sich auf die konkrete Situation zu beziehen, die zu Lob oder Tadel führt. Belobigen oder kritisieren Sie also eine bestimmte Verhaltensweise in einer konkreten Situation und benennen Sie auch den jeweiligen Anlass für Ihr Lob oder Ihren Tadel.
Ist ja toll, dass mein Kind nach der 3. Ermahnung den Tisch abräumt!
Soll ich dann etwa noch loben?
Warum nicht?
Vielleicht müsst ihr es vorher fünfmal ermahnen und die Reaktion nach dem dritten Mal ist schon ein Fortschritt. Ihr könnt Euer Kind ruhig loben, wenn es den Tisch abräumt, Ihr dürft es aber auch darauf hinweisen, dass Ihr euch eine schnellere Reaktion von ihm wünschen würden.
Bitte nicht übertreiben
Heute schon gelobt? Man kann es mit der Loberei auch maßlos übertreiben. Wer jede Kleinigkeit lobt, ohne einen Grund, nimmt sein Kind nicht ernst. Lob sollte wie Tadel einen konkreten Anlass haben. Lieber seltener loben, es dann aber auch ernst meinen, als ständig loben, ohne das Kind auch nur anzuschauen.
Lob ist wirklich gut!
Auch wenn man es mit dem Loben nicht übertreiben sollte, Lob hilft bei der Erziehung, denn Lob motiviert. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder erwünschtes Verhalten häufiger zeigen, wird durch lobende Unterstützung und positive erstärkung deutlich vergrößert.
Grundregeln für richtiges Loben:
- Loben Sie Ihr Kind auch in Alltagssituationen, so merkt es, dass Ihnen das Zusammensein mit dem Kind gefällt.
- Loben Sie aufrichtig, nicht taktisch oder strategisch.
- Sprechen Sie Ihr Kind direkt an: „Das hast du gut gemacht!“
- Loben Sie Ihr Kind, sobald es einer Aufforderung folgt.
- Drücken Sie Ihr Lob auch nonverbal aus (Mimik, Gestik, Körperkontakt …).
- Loben Sie Ihr Kind, wenn es sich an Regeln hält und Aufforderungen nachkommt.
- Lob und Tadel gehören zusammen, wer also zum Beispiel unpünktliches Verhalten rügt, sollte Pünktlichkeit auch loben.
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