Leben ohne Fleisch – neu diskutiert

Kaum ein Thema wird in den letzten Wochen so heftig diskutiert wie das Thema „Fleisch essen“. In Talkshows kochen die Emotionen hoch und die Positionen der Fleischesser und Vegetarier stehen sich unversöhnlich gegenüber. Ausgelöst hat diese neue hitzige Debatte das Buch „Tiere essen“ („Eating animals“) des amerikanischen Schriftstellers Jonathan Safran Foer. Als Jonathan Safran Foer und seine Frau Eltern wurden, überlegten sie, wie sie ihr Kind ernähren wollten und Foer begann zu recherchieren und sich mit der Herkunft von Nahrungsmitteln auseinanderzusetzen. Dabei interessierte ihn vor allem die Frage nach der Bedeutung von Essen. Warum essen wir Fleisch, würden aber selbst kein Tier töten wollen? Verglichen mit den Ausbrüchen mancher Diskussionsteilnehmer geht Foer das Thema jedoch sehr überlegt und pragmatisch an. Jonathan Safran Foer tritt nicht als Missionar auf. Er will zum Nachdenken anregen. Auch die deutsche Schriftstellerin Karen Duve beschäftigt sich in ihrem neuen Buch „Anständig essen“ mit der Frage, was wir da alles so auf dem Teller liegen haben. Offen gibt sie zu, dass sie um ihre Ernährung nicht viel Aufhebens machte und sich gerne mal eine Hähnchenpfanne in den Backofen schob. Dann begann sie mit einem Selbstexperiment und testete jeweils zwei Monate lang verschiedene Ernährungsweisen von Bio, über vegetarisch bis hin zu fruktarisch, um dann am Ende des Buches zu entscheiden, wie sie sich weiter ernähren möchte. Auch hier steht die Reflektion des Themas „Essen“ im Mittelpunkt.

 

Der bewusste Umgang mit dem Thema „Essen“ wird für viele Menschen immer wichtiger. Gründe dafür weniger oder gar kein Fleisch mehr zu essen gibt es genug. „Ich möchte nicht, dass für mein Essen ein Tier sterben muss“ „Es ist nicht zu verantworten, dass durch die Fleischproduktion mehr klimaschädliche Gase freigesetzt werden als durch den Autoverkehr“ oder „Ich will mich einfach gesund ernähren“.
Inzwischen vergeht kaum ein Tag, ohne dass von neuen Dioxinfunden in Eiern, Hähnchen- oder Schweinefleisch berichtet wird. Lebensmittelskandale begleiten uns noch schon seit Jahren und bewirken oft doch nur eine kurzfristige Änderung unserer Essgewohnheiten. Zu sehr sind wir an den immer gleichen Ablauf beim Einkaufen, den immer gleichen Griff nach den immer gleichen Produkten gewöhnt. Kaum jemand ist mit vegetarischen Essen aufgewachsen und kann abwechslungsreich vegetarisch kochen.
Die längerfristige Umsetzung einer anderen, beispielsweise fleischlosen Ernährung ist deshalb schon eine ganz andere Sache. Veränderungen im Alltag sind immer schwer zu erreichen. Es braucht Zeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sich Alternativen zu überlegen und Neues auszuprobieren. Sicher haben Sie auch schon in ihrer Familie über das Thema gesprochen und vielleicht sind es Ihre heranwachsenden Kinder, die darauf drängen weniger oder gar kein Fleisch zu essen. Um die alltäglichen Familienmahlzeiten zu verändern, sollte man nicht zu streng mit sich sein und lieber in kleinen Schritten vorgehen.

 

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