Das Risiko fährt immer mit

Ob im Berufsverkehr oder in der Freizeit: Fahrradfahrer müssen immer mit gefährlichen Situationen rechnen. Im Jahr 2010 wurden 56.040 Radfahrer über 15 Jahre bei Verkehrsunfällen verletzt oder getötet. Dabei spielten unterschiedliche Ursachen eine Rolle. Die häufigsten Unfälle passieren generell zwischen Fahrrad und Pkw. Da bleiben Fahrradfahrer aufgrund der fehlenden Schutzhülle nur selten von Verletzungen verschont. 381 Radfahrer kamen im Jahr 2010 ums Leben. Die Ursache bei Pkw-Fahrradunfällen liegt oft (74%) beim Autofahrer, der den Fahrradfahrer beim Abbiegen übersieht. Vorsicht ist aber außerdem beim Wenden, Einordnen und Anfahren geboten.
Sicherer unterwegs
Mehr Umsicht, weniger Risiko - alle Verkehrsteilnehmer können dazu beitragen, dass die Unfallzahlen sinken. Für bessere Sichtbarkeit sorgt z.B. das Tragen von heller und reflektierender Kleidung.
Interview mit Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht und Bundesverkehrsminister a.D.
Herr Bodewig, die Deutsche Verkehrswacht führt gerade eine bundesweite Aktion durch, in der sie zum freiwilligen tragen von Fahrradhelmen aufruft. Was hat Ihren Verband dazu bewogen?
Radfahren wird immer beliebter - die Fahrrad-Branche meldet steigende Umsätze, der Radverkehr wächst. Radfahren ist heute nicht nur eine beliebte Freizeitbeschäftigung, sondern immer mehr Menschen radeln heute auch zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Arzt. Aber genau dort lauern auch die Gefahren, und bei einem Sturz vom Fahrrad sollte sich jeder bestmöglich schützen.
Wie kann ein Fahrradhelm schützen?
Wenn der Kopf bei einem Fahrradunfall ungeschützt aufprallt, wirken wuchtige Kräfte auf Schädel und Gehirn. Das Gehirn stößt an die Schädeldecke, es kommt zu einer Blutung. Wenn dann das Gewebe anschwillt, können Blutgefäße gequetscht werden. Was das für den Betroffenen gesundheitlich bedeutet, kann vorher niemand sagen. Je nach Schwere des Sturzes kann der Radfahrer mit einer leichten Gehirnerschütterung davonkommen oder nach dem Unfall im Wachkoma liegen.
Wie wirkt der Helm bei einem Sturz?
Ein Helm verstärkt die Schädeldecke und stellt sozusagen die Knautschzone zwischen Kopf und Straße dar. Er wirkt wie ein Stoßdämpfer, der die enorme Aufprallenergie abfängt. Daher wird der Helm beim Aufprall zusammengestaucht. Oft sind es nur feine Haarrisse, die der Helm abbekommt, und die mit dem bloßen Auge gar nicht sichtbar sind. Manchmal sind die Bruchstellen klar sichtbar - aber besser der Helm ist verwüstet, als der Kopf!
Herr Bodewig, herzlichen Dank für das Gespräch.
So wirkt der Helm
- Helme verhindern oder mindern die Schwere von Kopfverletzungen. Laut Aussage der ZNS Hannelore Kohl Stiftung lassen sich rund 80% der schweren Hirnverletzungen durch einen Fahrradhelm vermeiden.
- Moderne Helme sind sehr stabil (In-Mold-Helme), leicht und gut belüftet.
- Gute Helme müssen nicht viel kosten. Gesundheit ist unbezahlbar.
- Reflektoren und Rücklicht am Helm verbessern die Sichtbarkeit von Radfahrern.
Einkaufstipps – Kleine Investition, große Wirkung
- Lassen Sie sich beim Helmkauf im Fachgeschäft beraten undprobieren Sie, welches Modell das richtige für Sie ist! Machen Sie die Anprobe und passen Sie den Helm mit Hilfe des Kopfrings an Ihre Kopfform an.
- Fragen Sie nach In-Mold-Helmen. Bei diesem Herstellungsverfahren werden die äußere Schale und der Hartschaum miteinander verschweißt. Daher sind diese Helme deutlich stabiler als verklebte, sie sind zudem leichter und langlebiger.
- Achten Sie auf das europäische Prüfsiegel DIN EN 1078(CE), das gute Helme auszeichnet.
- Achten Sie auf die Luftschlitze; ein Helm, in dem die Luft zirkulieren kann, hat gerade im Sommer deutlich mehr Tragekomfort.
- Testen Sie die Kinnriemen - sie sollten breit, weich und hautfreundlich sein.
- Denken Sie an ein Insektennetz - es schützt vor unerwünschten Besuchern.
- In der kühleren Jahreszeit helfen spezielle Unterziehmützen. Reflektoren und integrierte Rück- und/oder Blinklichter sorgen für mehr Sicherheit.
- Übrigens: Helme kann man auch verschenken!
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