Was Sie über das Lernen am Nachmittag wissen sollten

„Fang endlich an!“ „Trödel nicht so rum!“ Hast du das immer noch nicht kapiert?“ Diese und ähnliche Stoßseufzer werden in vielen Familien nach den Sommerferien wieder täglich zu hören sein. Es geht, wie könnte es anders sein, um die Hausaufgaben. Oft umstritten, viel diskutiert und noch immer Alltag in deutschen Schulen.
Warum eigentlich Hausaufgaben?
Hausaufgaben sind im Allgemeinen zur Nach- oder Vorbereitung des Unterrichtsstoffes gedacht. Sie sollten durch die Schüler ohne außerschulische Hilfe (auch ohne Eltern!) in angemessener Zeit zu bewältigen sein und in Umfang und Schwierigkeit dem Alter und Leistungsvermögen der Schüler angepasst sein.
Klingt prima - ist aber selten der Fall. Schon Erstklässler verbringen länger als die empfohlenen 30 Minuten am Schreibtisch und ab der 3. Klasse wird die maximale Arbeitszeit von 60 Minuten in den meisten Kinderzimmern regelmäßig überschritten. Lesen, rechnen, schreiben und etwas basteln -Hausaufgaben sind in vielen Familien eine tägliche Belastung, die sich massiv auf das Famlienleben auswirkt.
Hausaufgaben sind keine Strafe
Das sehen viele Kinder anders - und auch ihre Eltern fühlen sich oft durch die Menge und Art der Aufgaben „bestraft“, besonders wenn die Freizeit oder das Familienklima unter der Belastung leiden. Immer häufiger stellen sie die Frage, ob die Hausaufgaben vielleicht den Unterricht ersetzen? Abhilfe schafft hier ein klärendes Lehrergespräch oder ein Elternabend zum Thema. Für das neue Schuljahr habe ich Ihnen 13 entlastende Tipps aus meiner Lernpraxis zusammengestellt.
13 Tipps für entspannte Hausaufgaben
- Feste Zeit
Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind für jeden Tag der Woche eine Hausaufgabenzeit fest. Planen Sie dabei das Mittagessen und die Freizeitaktivitäten Ihres Kindes ein, so dass genügend Zeit zur Erholung oder Vorbereitung bleibt. - Richtige Uhrzeit
Finden Sie die täglichen Zeiten, an denen Ihr Kind besonders leistungsfähig ist. Manche Kinder brauchen nach der Schule erstmal eine längere Pause, andere aber werden gegen Nachmittag müde und können im Anschluss an den Unterricht am besten arbeiten. - Keine Störungen
Schalten Sie Störquellen aus. Musik, der Fernseher, ein ständig läutendes Telefon oder ein schreiendes Baby verhindern das Konzentrieren. Musik kann motivierend wirken und daher sinnvoll sein, konzentrationsfördernd ist sie aber nicht. Besprechen Sie mit Ihrem Kind klar, dass es erst nach den Hausaufgaben fernsehen oder spielen darf. - Ritual einbinden
Kinder lieben Rituale, und dies können Sie sich auch bei den Hausaufgaben zunutze machen. Eine festgelegte Zeit, ein bestimmter Tisch, Saft und Kekse zur Belohnung etc. können dem Kind Ruhe und Sicherheit vermitteln, die ihm helfen, sich konzentriert seiner Arbeit zu widmen. - Angemessener Umfang
Stellen Sie sicher, dass Ihr Kind nicht zuviele Aufgaben aufhat. Es gibt für jedes Schuljahr eine zeitliche Richtlinie, in der die Kinder die Hausaufgaben erledigen sollen. Hat Ihr Kind zuviele Aufgaben auf, so sprechen Sie mit den anderen Eltern und der Lehrkraft über eine Änderung.
1. + 2. Klasse 3. + 4. Klasse 5. + 6. Klasse 7. bis 10. Klasse
1/2 Stunde bis 1 Stunde bis 1 1/2 Stunden bis 2 Stunden - Mit Leichtem beginnen
Lassen Sie Ihr Kind die Aufgaben sortieren und mit etwas Leichtem beginnen. Nach einer kurzen Pause geht es dann mit der nächsten Aufgabe weiter. Download Tipp: Hausaufgabenselbstkontrolle Plakat unter http://www.lernfoerderung.de/ - Alleine arbeiten
Ihr Kind sollte versuchen, die Aufgaben alleine zu bewältigen. Bleiben Sie jedoch in der Nähe, um ihm bei Fragen behilflich sein zu können. Ermutigen Sie es zu selbstständigem Arbeiten. Lob für eigene Lösungen wirkt dabei motivierend. - Hausaufgabenheft führen
Ein ordentlich geführtes Hausaufgabenheft, das eventuell von der Lehrerin kontrolliert wird, ist die beste Grundlage für das Arbeiten. Falls Ihr Kind Schwierigkeiten beim Notieren der Aufgaben hat, kann es auch mit bunten Klebezetteln die entsprechenden Seiten im Schulbuch markieren. - Ordentlicher Arbeitsplatz
Der Schreibtisch sollte keinerlei Ablenkungsmöglichkeiten bieten. Räumen Sie ihn vollkommen leer, so dass nur noch die benötigten Materialien für die Hausaufgaben darauf zu finden sind. Auch der Platz am Fenster kann ablenken. - Keine neuen Lernwege anbieten
Vermitteln Sie Ihrem Kind die gleichen Methoden wie in der Schule. Verschiedene Rechenwege oder unterschiedliche Schriftarten verwirren besonders die Grundschüler. - Lob und Anerkennung
Hausaufgaben sind für die Schulkinder echte Arbeit. Belohnen Sie Ihr Kind für seine Anstrengungen ab und zu mit einer Kleinigkeit. Das fördert die Motivation und erhöht die Frustrationstoleranz. Freude am lernen ist für die Zukunft wichtiger als Freude am Erfolg. - Kein Zeitdruck
Lernen Sie nie mit Ihrem Kind unter Zeitdruck. Zu leicht können ihnen beiden die Nerven durchgehen und das gemeinsame Arbeiten in Vorwürfe und Stress ausarten. - Diskussionen helfen
Spornen Sie Ihr Kind an, auf Fragen und Anforderungen selber eine oder mehrere Lösungen zu finden. Diskutieren Sie mit Ihrem Kind und präsentieren Sie nie direkt Ihre Lösung.
Viel Erfolg im neuen Schuljahr!
Uta Reimann-Höhn | http://www.lernfoerderung.de/
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