Gemeinsam spielen

Manchmal sagt meine Tochter in den unmöglichsten Momenten zu mir:” Komm, spiel mit mir!”
Oft gebe ich zur Antwort: “da habe ich jetzt keine Zeit für. Aber gleich wenn ich fertig bin, dann spielen wir zusammen.” Inzwischen versteht Sarah, dass mein “gleich” gar nicht so lange dauert.
Schließlich ist sie schon 9 Jahre alt.

 

Aber das war nicht immer so. Bei einem “jetzt geht es nicht” gab es oft Tränen, denn sie konnte bis zu einem bestimmten Alter eben noch nicht so gut selbst spielen und das mit Ausdauer. Geändert hat sich das, seit der Kindergartenzeit. Ihr Zimmer hat sie für sich erobert und spielt mit Lego oder Ministeck oder malt gerne. Auch Bilderbücher guckt sie sich an und liest den behaltenen Text vor. Wenn das Wetter trocken ist, dann spielt sie draussen.

 

Spielen ist so wichtig! Unsere Kinder lernen im Spiel sich zu konzentrieren, mit Ausdauer viele Zusammenhänge kennenlernen und wie vieles funktioniert. Als unsere Kinder klein waren, habe ich immer einen Schrank mit Plastikbehältern in erreichbarer Höhe ihnen zur Verfügung gestellt, den sie in genüsslich ausräumen konnten. Denn sie wollten zum einen in meiner Nähe spielen und auch kochen und den Tisch mit decken. Und zum anderem mit diesem Spiel mich als Erwachsene nachahmen und sie lernten dabei, das mein Handeln gar nicht soooo einfach war, wie es aussah.

 

Wenn mein Mann etwas reparierte oder handwerklich etwas bastelte, war die kleinen Nasen auch ganz dicht dabei. Sie waren begeistert, wenn sie selbst einen kleinen ungefährlichen Hammer bekamen und ebenfalls ein Stück Holz ganz wie der Papa bearbeiten konnten. Beim Zusehen habe ich oft festgestellt, wie ernsthaftig und ausdauernd sie mitmachten. Wenn dann von uns auch noch ein Lob kam, dann war die Spiel-Welt in Ordnung.

 

Als ich Sarah bekam wusste ich dass ich gern spielen würde und so erlebte ich es dann auch als sie da war. Kinder spielen sehr intensiv.

 

Selbst ein Baby spielt für kurze Zeit, entweder es steckt den kleinen dicken Zeh in den Mund oder es hat eine Kette, das für Unterhaltung sorgt. Begeistert ist jedes Krabbelkind bis hin zum etwa 2 jährigen, wenn ein Türmchen aufgebaut wird, das es wieder umwerfen kann. So habe ich auch mit der Geburt des ersten Kindes gelernt, wieder zu spielen. Das Spielen steckt einfach im Menschen drin. Ein Kind lernt spielend, den Umgang mit seinem Körper (Zeh in den Mund stecken, oder später das “Doktorspielen”) aber auch seine Umwelt kennen. Neugierig wie ein gesundes Kind ist, lernt es so die grosse Welt zu verstehen.

 

Im Kindergartenalter sind Steckspiele und Lego bauen, aber auch Verkleiden die liebsten Spiele. Aber auch Gesellschaftsspiele (Schwarzer Peter, Memory, Gänsespiel und vieles mehr) sind aktuell.
Toll finde ich auch das Spiel für das Kindergartenalter “Pack den Esel”. Mit viel Geschick und Geduld werden kleine Stäbchen auf ein Eselchen gepackt und wer die meisten Stäbchen drauf packt hat gewonnen.

 

Das Gewinnen ist sehr wichtig für ein Kind. Aber auch das Verlieren. Dabei gibt es des öfteren auch Tränen. Denn wer will schon gerne verlieren. Aber auch das ist wichtig fürs spätere Erwachsenenleben, denn wir müssen auch immer wieder zurückstecken oder sogar verlieren.

 

Wer das als Kind nicht lernt, wird es als Erwachsener doppelt schwer haben.

Wir können nicht verleugnen, das es uns in Europa heutzutage wirtschaftlich gut geht. Dem entsprechend haben die Kinder auch viel Spielzeug. Auch unser Kinderzimmer ist überfüllt.
Aus diesem Grund hole ich von Anfang an immer wieder Spielzeug aus dem Zimmer und lasse es verschwinden und zur gegebenen Zeit wieder auftauchen. Das ist zum Beispiel Der Einkaufsladen, das ab November wieder im Wohnzimmer steht. oder eben auch jahreszeitlich abhängige Bücher und Spiele. Die Freude ist dann immer wieder gross, wenn die Sachen wieder da sind.

 

Eine Freundin meiner Tochter darf sich nicht schmutzig machen und das finde ich sehr schade. Schließlich kann die Waschmaschine alles waschen und wenn man nicht die neuesten Sachen auf dem Spielplatz oder im Kindergarten an hat, kann auch nicht so viel passieren. Selbst wenn! Sie spielt sehr “aktiv” im Kindergarten und wenn sie dort draussen spielt, ist sie meiner Meinung nach das schmutzigste Kind des ganzen Kindergartens, aber auch sehr zufrieden und glücklich.

 

Sarah sitzt seit ca. 1 Jahr am PC. Schließlich sieht sie jeden von uns täglich vor der Kiste sitzen. Doch es wurden Zeiten festgelegt. Erst nach den Hausis und dann auch nur 30 Minuten am Tag.
Anfangs hatte ich ein sehr schlechtes Gewissen, sie an der PC zu lassen, aber seit dem ich mit Sorgfalt Kindersoftware für sie aussuche, hat sich das gelegt.

 

Das gleiche gilt auch für den Fernseher. Sie darf bestimmte Sendungen ab 18:00 Uhr sehen und einer von uns Erwachsenen ist in ihrer Nähe, denn es gibt immer wieder Situationen, die wir selbst in der Sesamstrasse als völlig harmlos empfinden, die aber ein Kind erschrecken können. Es macht mir aber auch immer wieder Spass, sie während eines Computerspiels oder während des Fernsehens zu beobachten oder auch während eines selbst gewählten Spiels ihr zuzuschauen, denn wie schnell wird aus dem Kinderspiel das ernste Leben und die Kinder sind gross.
Auch das Vorlesen und vor allen Dingen auch die traditionelle GuteNachtGeschichte macht uns allen viel Spass.

 

Deshalb sollten wir diese Spielzeit geniessen und wir sollten uns auf die Aufforderung: "Komm, spiel mit mir!” mal einlassen.





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