Emotionale Intelligenz

Was ein Mensch tut, wie er handelt und reagiert, hängt von vielen Faktoren ab. Darunter sind viele Eigenschaften, die mit der Persönlichkeit verwoben sind: Intelligenz, Charakter, Willensstärke, Lebensgeschichte. Daneben gibt es Fähigkeiten, die erlernbar sind: Teamfähigkeit, Optimismus, soziale Verantwortung, Motivation. Im Berufsleben spricht man von "soft skills", von "weichen" Eigenschaften, die neben der beruflichen Qualifikation Karriere entscheidend sind. Eltern können schon früh auf die sogenannte "emotionale Intelligenz" ihrer Kinder Wert legen, sie fördern und unterstützen, denn nicht erst im Berufsleben ist emotionale Kompetenz gefragt.

 

Was ist emotionale Intelligenz?
Emotionale, auch soziale Intelligenz ist die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und zur Wahrnehmung der Gefühle anderer Menschen. Einfühlungsvermögen, Problemlösungskompetenz oder soziales Engagement gehören ebenso dazu wie eine gesunde, konstruktive Streitkultur. Eingeführt hat den Begriff der emotionalen Intelligenz Daniel Goleman in seinem vor sechs Jahren erschienenen Bestseller. Der heute stark gefragte Referent prägte den Satz: "Wer im Leben Erfolg haben will, muss das Alphabet der Gefühle beherrschen." Emotional etwas "auf der Pfanne haben" bedeutet nicht, immer nett und unauffällig zu sein. Innerlich gefestigt sein heißt nicht, "everybody's darling" zu sein. Oft ist es sogar notwendig, den Mitmenschen Grenzen aufzuzeigen und eigene Grenzen abzustecken. Es ist wichtig, andere Menschen zu kritisieren, anstatt sie "nur hinzunehmen." Bei emotionaler Intelligenz geht es um die Art und Weise der Kritik und um eine Konfliktbewältigung, die keine Verlierer und Gewinner zurück lässt. 
 

 

Unterschied zwischen IQ und EQ
"IQ hat man, EQ kann man lernen." Auf diese einfache Formel lässt sich der Unterschied zwischen "sozialer" und "abstrakter" Intelligenz bringen. Emotionale Intelligenz ist mehr als nur ein neuer Trendbegriff, der auf brüchigem popularwissenschaftlichem Boden steht. Seit sogenannte "soft skills" zu den Anforderungen moderner Stellenbeschreibungen gehören, aber auch vor dem Hintergrund alltäglicher Gewalt unter Kindern und Jugendlichen steht der Begriff "EQ" heute für die menschliche Ebene und zwischenmenschliche Beziehungen. Weit verbreitet ist die Annahme, nur die abstrakte Intelligenz sei anhand eines Intelligenztests greifbar, wohingegen die Gefühle der Intelligenz hemmend im Weg zu stehen scheinen. Es gibt allerdings viele Lebensbereiche, in denen es auf emotionale Stabilität ankommt. Nur wenn Kopf und Gefühl, Verstand und Bauch, die beiden scheinbar im Widerstreit liegende Kraftquellen, im Einklang sind, kann ein Mitarbeiter erkennen, wo in seiner Abteilung "der Schuh drückt", warum die Stimmung so negativ ist, wer wem aus dem Weg geht. Dasselbe gilt für Kinder: Sehen können, wer mit wem spielt und befreundet ist, Beziehungen und Freundschaften erkennen, in sozialen Netzen einen Platz finden ist genauso wichtig wie Vokabellernen und logisch-analytische Begabung. 
 

 

Gewaltbereitschaft und emotionale Intelligenz
Hänseleien auf dem Pausenhof, Sticheleien während dem Unterricht - es gibt Kinder, die können es einfach nicht lassen, ihre Mitschüler zu ärgern oder "Machtspielchen" zu spielen. Konflikte gab es immer und wird es immer geben. Solange Kinder ein gesundes Maß an Konfliktfähigkeit gelernt haben, werden solche "Rangeleien" selten gefährlich. Viel schlimmer ist die seit Jahren ansteigende Gewaltbereitschaft unter Kindern und Jugendlichen, die eine ganz andere Dimension hat. Ein Grund für die zunehmende Gewalt unter Kindern und Jugendlichen ist die mangelnde Fähigkeit, mit Frustrationen umzugehen. Der Umgang mit eigenen Gefühlen und denen anderer ist bei gewalttätigen Kindern oft verkümmert oder nicht richtig gelernt worden. Kinder, die aus schwierigen Familien kommen, oft soziale Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit erfahren haben, haben ein Defizit, das diese emotionalen Schwierigkeiten und sozialen Blockaden verursacht. 
 

 

Wie können Eltern und Lehrer die emotionale Intelligenz fördern?
Eltern und Pädagogen können den psychosozialen Reifungsprozess von Heranwachsenden begleiten - unterschiedliche Rezepte kursieren nur in Bezug auf die Form der Förderung. Als Faustregel für den Schritt in die emotionale Selbständigkeit gilt: Erziehung ist der Rohstoff zur Lebensbewältigung und bildet gerade in Zeiten postmoderner Unübersichtlichkeit, in denen alle Wertvorstellungen gleich gültig und gleich möglich sind, das gesellschaftliche Rückgrat. Gefragt ist heute ein neues Verständnis des Kindes. Heranwachsende brauchen Inhalte, Geschichten, gestaltete Themen, gemeinsame Bildungserlebnisse, die sie sich selbst erschließen können. Statt Regieanweisungen aus der Ferne zu erteilen, sollten Erzieher und Eltern "Ich-Botschaften" weitergeben, gesprächsbereit sein. Lebensweisheiten und Dummheiten mit Kindern teilen, in gemeinsam angepackten Projekten Teamfähigkeit praktisch erlernen. Unentbehrlich sind geistige Nahrung und Zuwendung: Für ein positives Selbstbild braucht ein Kind das Wissen, dass es etwas, das ihm zugemutet wird, gemeinsam mit den Eltern schaffen kann. Auch Musik beugt emotionalen Fehlentwicklungen bei Kindern vor. Ein Gymnasium im Ruhrgebiet geht ganz neue Schritte und bietet zur Förderung der sozialen Integration seit Beginn des Schuljahres 2000/2001 ein neues Schulfach ("Lernen lernen") an, das soziale Fertigkeiten in den Mittelpunkt stellt.

 

Bildquelle: © Kobold-knopf81 - Fotolia.com





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