Die Wehen kündigen sich an

Der Mond des neunten Monats
Wirft seinen Schatten.
Wie langweilig ist es im Innern.
Angesichts seines dunklen Kerkers
Kämpft das Leben darum, frei zu sein
Und sein Lager auf der Erde
Aufzuschlagen.
(Indischer Geburtsgesang aus dem Buch Mamatoto)
Wehen in anderen Kulturen
Die meisten Frauen, die zum ersten Mal Mutter werden, fragen sich, woran sie erkennen können, wann die Geburtswehen eingesetzt haben.
Wir werden dazu angeleitet, den Zeitraum zwischen den Wehen, die in der Regel mit der Zeit kürzer aufeinander folgen und immer intensiver werden, zu beobachten.
Im Südwesten der USA pflegten die Indianerfrauen Steine fallen zu lassen, um ihre Wehen zu zählen. Wenn der Zeitraum zwischen den Wehen nur noch sechs Atemzüge ausmachte, hatten die Geburtswehen begonnen.
Die erste Wehe kann stark und eindeutig sein – das halten die Arapesh in Neuguinea für ein Zeichen dafür, dass das Kind sich im Leib dreht, wenn es endlich von seinem langen Schlaf in der Gebärmutter erwacht. Nach dem ersten Schmerz wird das seltsame, beklemmende Gefühl tief im Leib oder Rücken in ungewissen Wellen an- und abschwellend wieder kehren.
Die Tibetaner sind davon überzeugt, dass das Kind ungeachtet der Zeit erst auf die Welt kommt, wenn sein vorbestimmter Schicksalsstern vom Himmel strahlt.
Die jemenitische Frau geht – mit Bernstein und Korallen als Glücksbringern um den Hals – auf und ab und unterbricht ihren Gang nur, um sich während der Wehenkrämpfe vorzubeugen. Erst in jüngster Zeit haben auch die westlichen Mediziner erkannt, dass das Herumlaufen im ersten Wehenstadium die Wehen viel wirkungsvoller machen kann. In den vergangenen Jahrhunderten wussten die Frauen das vermutlich instinktiv. In England riet man ihnen schon vor vierhundert Jahren, bei einsetzenden Wehen Treppen auf und ab zu steigen und so laut wie möglich zu schreien, um "sich selbst zu stimulieren", und sich erst unmittelbar vor der Geburt zu setzen.
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