Die verschiedenen Geburtsphasen Teil II:

Die verschiedenen Geburtsphasen Teil II:  Die Austreibungsphase 

Wenn sich der Muttermund vollständig geöffnet hat, dann können Sie pressen. Viele Frauen empfinden dies als angenehm und erleichternd. Schließlich können Sie nun ganz aktiv dazu beitragen, dass Ihr Kind geboren wird!  Selbst bei einer langen Eröffnungsphase, dass heißt dass die Geburt nun schon einige Stunden dauert, werden Sie nun in der Regel immer noch genügend Kraft haben, zu pressen um somit zu gebären. Ihr Kind! 


Ihr Kind hat bei zu diesem Zeitpunkt noch ein gutes Stück an Weg und Kraft vor sich, bis es auf der Welt ist. Allerdings mit Hilfe der stärker werdenden Wehen schiebt und dreht es seinen Kopf immer weiter nach unten. Es muss sich sogar drehen, denn der Weg durch den Geburtskanal ist eng und kurvenreich und eine besondere Haltung des Kindskopfes ist nötig, um durch zu kommen. Sie müssen sich vorstellen, dass Ihr Kind nun eine richtige Schraubbewegung durchführt. Günstig ist, wenn Sie als Mutter sich in einer aufrechten Haltung befinden, denn so ist für Sie einfacher, dass Sie Ihr Kind gebären. Denn im Liegen würden Sie gegen die Schwerkraft arbeiten und Ihr Kind brauchte mehr Zeit und Kraft, bis es durch den Geburtskanal geschoben ist.

Sie fragen sich bestimmt auch, wie schafft mein Körper all dies und wie schafft es mein Kind überhaupt, auf die Welt zu kommen, wenn so viele Hindernisse zu bewältigen sind. Aber bereits während der Schwangerschaft hat sich Ihr Körper auf diese verschiedenen und anstrengenden Geburtsphasen vorbereitet. Bei Ihnen ist es so, dass sich die Bindegewebsverbindungen der Beckenknochen nachgeben, das bedeutet, dass sich ihr Beckenbodendurchmesser um rund 2 cm flexibel ist. Bei Ihrem Kind können sich die Schädelknochen gegeneinander verschieben und sich sogar etwas verformen. Sie können diese beeindruckenden Gegebenheiten der Natur gut nutzen, indem Sie sich bewegen und umhergehen, sofern aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht. Mit dieser Hilfe erleichtern Sie Ihrem Kind geboren zu werden.

Wenn Sie bei normalen Verlauf der Geburt vom Klinikpersonal (Arzt/Hebamme usw.) aufgefordert werden, sich hinzulegen, versuchen Sie sich dagegen zu wehren und bestehen Sie darauf in einer Ihnen angenehmen Haltung zu bleiben. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, wie abhängig frau in dieser Situation ist und das es nicht so einfach ist, nun zu widersprechen. Sollte aber eine wichtige Untersuchung, eine Sprengung der Blase oder eine schnelle Beendigung der Geburt nötig sein, zum Beispiel mit Hilfe einer Saugglocke oder einer Geburtszange, dann haben Sie keine Wahlmöglichkeit.

 

Jetzt ist es für Sie besonders wichtig, gut durch die letzte Geburtsphase zu kommen.

In einigen Krankenhäusern, vor allem aber auch in Geburtshäusern werden wichtige Alternativen zum Gebären angeboten, denn falls die Geburt zum Stillstand kommt, ist es gewiss mit ärztlicher Hilfe oder nach Absprache mit der betreuenden Hebamme möglich, einen Positionswechsel während der Geburt durchzuführen. Sie können aufstehen, stützen oder hängen sich an Ihren Partner oder hängen Sie sich wenn vorhanden, an ein Seil oder ein Tuch und kreisen Sie ganz aus Ihrem eigenem Gefühl heraus mit dem Becken. Sollten Sie bereits die ganze Zeit gestanden haben, dann legen Sie sich hin. Aber nicht unbedingt in der Rückenlage, sondern besser ist es, wenn Sie sich auf die Seite legen oder im Halbsitzen Ihre Position ändern.

Ihr Kind wird vor allem von der Muskulatur der Gebärmutter hinausgeschoben, selbst wenn Sie sich nicht aktiv bei der Geburt beteiligen würden. Ganz wichtig ist vor allem auch, dass Sie sich nach unten hin öffnen. Denken Sie intensiv daran, sich zu öffnen und ganz weit zu werden. Ihr Pressdrang wird so stark sein, dass Sie gar nicht mehr anders können, als Ihr Baby hinauszuschieben. Viele Frauen empfinden es auch als erleichternd, endlich pressen zu können.  Wichtig ist, dass Sie auf keinen Fall den Beckenboden anspannen, aus Angst vor einem Schnitt oder Dammriss, denn Sie erschweren sich dann die Geburt Ihres Kindes! Zudem ist die Gefahr, dass Sie einen Dammriss erleiden, dann erheblich größer, wenn Sie sich verkrampfen.

Von einem Dammschnitt, auch Episiotomie (kurz Epi) haben Sie sicherlich gehört, dieser ist dann erforderlich, wenn man verhindern muss, dass der Damm zum After hin reißt. Der Schnitt erfolgt meistens während einer Wehe und zwar dann kurz bevor der Kindskopf durch die Scheide tritt. Zu diesem Zeitpunkt ist Ihr Gewebe durch den Druck des Kindskopfes am unempfindlichsten. Zudem wird die Austreibungsphase verkürzt. Deshalb sollte aber nach wie vor nicht routinemäßig geschnitten werden, so wie es bis vor einigen Jahren in vielen Krankenhäusern der Fall war. Eine Episiotomie ist dann erforderlich, wenn das Baby schlechte Herztöne aufweist und deshalb schnell geboren werden muss, oder wenn der Kopf des Kindes zu groß ist, im Falle einer Frühgeburt und bei operativen Geburten mit der Zange oder der Saugglocke. Genäht wird eine Epi immer mit Betäubung und falls Sie eine PDA bekommen, kann auch entsprechend nachgespritzt werden.

Nun dauert es nicht mehr lange und Ihr Baby wird geboren! In dem Moment wenn Ihr Baby den Beckenboden erreicht, kann man bereits seine Haare sehen und bereits berühren. Es motiviert ganz stark, wenn Sie das Köpfchen zu diesem Zeitpunkt bereits sehen oder fühlen, denn dann wissen Sie wofür Sie diese ganzen Anstrengungen auf sich nehmen. Der Moment der Geburt, dass heißt, der Durchtritt des Köpfchens muss nun langsam erfolgen, Ihre Hebamme verlangsamt mit Hilfe Ihrer Hand den zu schnellen Austritt des Kopfes und Sie wird Ihnen sagen, dass Sie nun nicht mehr so stark pressen sollen. Schließlich braucht Ihr Beckenboden und Ihr Dammgewebe genügend Zeit um sich zu dehnen und auch nachzugeben. Wenn das Köpfchen Ihres Kindes bereits geboren ist, muss es sich nochmals drehen, um eine geeignete Position für das Durchtreten der Schultern zu erreichen. Wenn die kleinen Schultern nach einander heraustreten, werden Sie es sicherlich noch einmal spüren. Aber dann wird der restliche Körper Ihres Kindes geboren und dann haben Sie Beide es endlich geschafft: Ihr Kind ist geboren! 

Eure Elke





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