Der Dammschnitt – Häufige Fragen

Der Dammschnitt, medizinisch Episiotomie genannt (griech. episio = Schamgegend, tomie = Schnitt, Abschnitt), ist eine den Scheideneingang (Damm) erweiternde Operationsmethode der Geburtshilfe. Dabei wird der Damm während der Austreibungsphase - wenn der Kopf des Babys aus der Scheide hervortritt - mit einer speziellen Operationsschere eingeschnitten und die Geburtsöffnung dadurch künstlich geweitet. Ein Dammschnitt muss nach dem Ende der Geburt genäht werden.

 

Es gibt drei Richtungen, in die der Damm zwischen dem hinteren Ende der Vagina und dem Anus durchschnitten werden kann:

  • Die mediane Episiotomie (Schnittführung genau in der Mittellinie) ist die heute gebräuchlichste Methode. Sie hat den Vorteil, dass sie von allen drei Schnittführungen im Normalfall noch am wenigsten Beschwerden im Wochenbett bereitet. Der Nachteil aber ist, dass das Dammgewebe trotz des Entlastungsschnittes in Richtung After weiterreißen kann. Die anschließende chirurgische Versorgung dieser nicht seltenen Komplikation ist aufwendig und erfordert chirurgisches Fingerspitzengefühl. Wegen dieser Probleme sollte die mediane Schnittführung nur von erfahrenen Geburtshelfern durchgeführt werden.
  • Die mediolaterale Episiotomie (Schnittführung von der Mitte aus in ca. 45 Grad Abweichung nach rechts oder links), der schräge Schnitt von der Scheidenmitte nach links oder rechts ist die Schnittführung, die den meisten Raumgewinn bringt. Sie wird gewählt bei sehr engem Geburtskanal oder einem sehr großen Kind, bei Zangen- oder Saugglockenentbindungen. Der schräge Schnitt macht deutlich mehr Beschwerden im Wochenbett als der Schnitt in der Mittellinie.
  • Die laterale Episiotomie (Schnittführung ca. zwei Zentimeter neben der Mittellinie nach rechts bzw. links), bei der der Schnitt etwa zwei Zentimeter seitlich der Mittellinie (links oder rechts) erfolgt, hat eine sehr schlechte Heilungstendenz. Aus diesem Grund gilt diese Schnittführung heute als veraltet und sollte nicht mehr zur Anwendung kommen.

 

Wird während der Entbindung nicht geschnitten, kann es zu oberflächlichen Scheiden- und Dammrissen kommen. Diese entstehen natürlicherweise bei jeder normal verlaufenden vaginalen Entbindung am Gebärmutterhals, an der Scheide und am Damm. Zu kleineren Verletzungen am Geburtskanal kommt es bei etwa der Hälfte der Erstgebärenden. Im Normalfall erfordern diese Risse keine chirurgische Versorgung. Sie verheilen in der Regel komplikationslos.

 

Ob ein Dammschnitt gemacht werden muss, entscheidet in der Regel der Geburtshelfer oder die Hebamme während der Entbindung. Wenn der Geburtshelfer einen notwendigen Dammschnitt nicht rechtzeitig legt, kann es zu einem größeren Dammriss kommen. Dieser muss später meist auch genäht werden.

 

Die Annahme, dass es durch einen vorzeitig angelegten Dammschnitt zu einer Verhinderung einer späteren Harninkontinenz kommen könnte, wird kontrovers diskutiert.

 

Eine Überbeanspruchung des Gewebes, mit daraus resultierender Senkung oder Harninkontinenz geschieht schon im Bereich der oberen Geburtswege und nicht erst im Bereich des Beckenbodens. Daher kann auch ein Dammschnitt die Gefahr späterer Inkontinenz nicht verhindern.

 

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