Babys erste Sprünge

Lea ist nun bald sieben Monate alt und soll für ein paar Stunden bei ihrer Tante bleiben, weil ihre Mutter an einem Seminar teilnehmen möchte. Lea mag ihre Tante und sieht sie recht oft. Heute klammert sie sich jedoch an ihre Mutter und ist gar nicht zu beruhigen. Sie schreit und schreit und möchte ihre Mutter nicht loslassen.
Als Leas Mutter zwei Wochen später einen zweiten Versuch wagt, lächelt Lea ihrer Tante entgegen und bleibt ohne Probleme da.
Ein solches Wechselspiel von Anhänglichkeit und Weiterentwicklung ist ganz typisch für die ersten anderthalb Jahre. Welche Mutter kennt nicht die scheinbar aus dem Nichts kommenden Schreiattacken und durchwachten Nächte.
Während der ersten anderthalb Jahre entwickeln sich Kinder nicht nur körperlich, auch die geistige Entwicklung schreitet voran. Die niederländischen Psychologen Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij nehmen an, dass in den ersten 14 Monaten acht Entwicklungssprünge stattfinden, die immer ähnlich ablaufen. Während der Sprünge entwickelt sich das Nervensystem und bewirkt das Erlernen neuer Fähigkeiten. Die Veränderungen wirken aber zunächst verunsichernd.
Das Baby wird weinerlicher, sucht mehr die Nähe der Mutter (oder des Vaters), will mehr beschäftigt werden, schläft vielleicht schlechter und hat weniger Appetit. Klar macht man sich bei solchen Verhaltensänderungen Sorgen, denkt zuerst an einen möglichen Infekt oder den Durchbruch der Zähne, denn die geistige Entwicklung ist ja so direkt nicht sichtbar. Wer genau beobachtet kann aber auch hier Veränderungen, z.B. im Spielverhalten, feststellen. Van de Rijt und Plooij geben sehr genau die Zeiten an, wann die Sprünge stattfinden sollen. Da mag es fließende Übergänge geben und es ist sicher nicht gut, krampfhaft auf die Anzeichen eines Sprungs zu warten, aber es kann hilfreich sein, im Hinterkopf zu haben: "Ach ja, wir haben ja die 19. Woche, da muss ich mich nicht wundern, dass Felix so quengelig ist!" Wer weiß, was sich da bei seinem Baby an neuen Fähigkeiten entwickelt, kann zudem ganz gezielt darauf eingehen und fördern.
Welcher Sprung zu welcher Zeit:
Sprung um die 5. Woche.
Die Sinnesorgane entwickeln sich weiter. Das Baby kann jetzt Dinge, die bis 30 Zentimeter entfernt sind, deutlicher wahrnehmen, besser hören und auch Berührungen aufmerksamer wahrnehmen. Sie können nun ihrem Baby Dinge zeigen und mit ihm kleine Gespräche führen. Zu viele Farben oder Geräusche können jedoch schnell überfordern.
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