Auch Mütter haben Bedürfnisse!

Es ist immer noch schwierig in Deutschland im Jahre 2010 so ganz selbstverständlich und unkompliziert zu verwirklichen, wie frau als Mutter leben möchte. Wir möchten eigentlich gerne beides haben, eine Familie und einen interessanten Beruf. Wir möchten für unsere Kinder da sein und ihnen eine gute Schulbildung ermöglichen, wir möchten aber auch unsere gute Bildung in die Gesellschaft einbringen. Wir möchten unsere Kinder guten Gewissens in eine hervorragende Tagesbetreuung geben können. Wir brauchen aber auch mal Zeit für uns und für unseren Partner und schließlich wollen wir ja auch gesund und schön bleiben, brauchen also auch Zeit für Sport und Wellness.
Vereinzelt hört man immer wieder von Superfrauen, die das alles zu schaffen scheinen (meistens mit Au pair). Leider scheitert es nur allzu oft an den Rahmenbedingungen, die die Gesellschaft uns bietet. Da sind gute Kindertagesstätten, die schon Kinder unter drei Jahren aufnehmen, eine Seltenheit. Da besteht eigentlich kein Interesse daran, einer Frau eine Teilzeitstelle anzubieten, wenn drei Männer warten, die Vollzeit arbeiten können und sich auch nicht über Überstunden beschweren. Da wird dem Ehemann, der gerne weniger arbeiten möchte, die Arbeitszeit verlängert. Da hat man zwar einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab drei Jahre, der Kindergarten lehnt aber ab, ein Kind aufzunehmen, das noch eine Windel braucht. Von den Kosten für die Kinderbetreuung und den Verdienstmöglichkeiten von Frauen mal ganz zu schwiegen. Es wird Frauen heute nicht leicht gemacht, weil man es ihnen gar nicht leicht machen möchte. Würden all die gut ausgebildeten Frauen, die zur Zeit zu Hause die Familie managen, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, wären da zigtausende Arbeitssuchende mehr, die die Statistik nicht verändern würden.
Kein Wunder, das sich bei vielen Frauen das Gefühl einschleicht, in der Familie wesentlich mehr gebraucht zu werden als im Berufsalltag.
Abgesehen von den äußeren Bedingungen tun wir uns auch innerlich oft schwer. Der im 19. Jahrhundert gewachsene Muttermythos: "Man kann nicht zugleich Mutter und etwas anderes sein" (Elisabeth Badinter "Die Mutterliebe"), hängt uns immer noch hinterher. Gleichzeitig gibt es aber auch andere Mutterbilder, die uns prägen. Dazu gehört natürlich an erster Stelle das Erleben der eigenen Mutter. Wie haben wir es erlebt eine Mutter zu haben, die rund um die Uhr für die Familie da war oder eine Mutter, die erst am Nachmittag nach Hause kam? Haben wir uns geborgen gefühlt oder erdrückt, verlassen oder frei? Diese frühen Erfahrungen beeinflussen die Vorstellungen und Wünsche für das eigene Leben. Sie beeinflussen die Frage, ob man selbst überhaupt Kinder haben möchte und dann, wie man das Leben mit Kindern gestalten möchte. Dabei sind das oft nicht bewusst getroffene Entscheidungen. Es ergibt sich eben so, dass man berufstätig bleibt oder erst einmal zu Hause arbeitet. Die eigenen Kindheitserfahrungen wirken aber sicher auf die Zufriedenheit mit der jeweiligen Lebenssituation. Wer es als positiv erlebt hat, die Mutter nicht ständig um sich gehabt zu haben, wird auch selbst eher ohne schlechtes Gewissen arbeiten gehen können.
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