Alleinerziehend mit Lust statt Frust

Von der Konsequenz, sich nicht nur vor der Geburt sondern auch nach der Trennung für ein Leben mit Kindern zu entscheiden. Eine persönliche Stellungnahme eines alleinerziehenden Vater über zeitgemäßes Elternsein auch nach der Trennung. Pioniere der neuen Familiengestaltung

 

Pioniere der neuen Familiengestaltung
Für viele Elternteile ändert sich der Kontakt zu ihren Kindern nach der Trennung grundlegend. Dabei endet hier zunächst die Liebespartnerschaft der Eltern, was nicht automatisch etwas mit der Eltern/Kind-Beziehung zu tun hat. Viele Kinder machen schon im Alter von 4 und 6 Jahren recht deutlich, dass sie den Alltag mit beiden, Mutter und Vater erleben wollen – wenn nicht unter einem Dach, dann eben unter zwei.

Oft werden alleinerziehende Väter als erfolgreiche Pioniere beschrieben. natürlich ist das sehr schmeichelhaft für dei Betroffenen, denn so viel wohlwollende Aufmerksamkeit bekommen sie von der Seite des Lebens selten auf einmal.

Pioniere sind Menschen, die als Vorreiter in neues Territorium einer Gesellschaft vorstoßen. Sie tun etwas, das vor ihnen niemand erdacht oder gewagt hat, für das es bis dato noch keine Vorbilder gibt. Auf sich gestellt konfrontieren sie neue Erfahrungen und lassen sich von ihrer Intuition leiten – denn gängige Rezepte gibt es noch nicht. 

 

Frauen als Vorbilder für Männer
Alleinerziehend zu sein ist jedoch nichts Neues. Diese Lebensform gehört genauso zum aktuellen gesellschaftlichen Normalzustand wie Scheidung, wilde Ehe,uneheliche Kinder usw. Allerdings ist sie auch heute noch eher Frauen vorbehalten, ebenso wie die alltägliche Beschäftigung mit den gemeinsamen Kindern weitgehend noch Sache der Mütter ist.

 

Väter können sich also getrost zurücklehnen und am Erfahrungsschatz der Mütter bedienen. Neben den wenigen Büchern männlicher Autoren steht ihnen ein Haufen an Literatur aus Frauenhand zum Thema Erziehung zur Verfügung. Oder sie wenden die aus der Musik bewährte Suzuki-Methode an: Lernen durch Hören, Beobachten, Nachahmen und Verbesserung durch, in diesem Fall eindeutig, die Lehrerin. Aber so verwässert doch die klassische Vaterfigur des altbewährten Mannes im Hause, mit den ganz eigenen Umgangsformen, die ebenso wie die Mutterfigur für die Identifikation und die Entwicklung der Kinder wichtig sein soll.

 

Müssen Väter also doch selbst für eine Entwicklung ihrer aktiven Erziehungsrolle sorgen – ganz gleich ob innerhalb der „heilen“ oder der „zerteilten“ Familie. Anders gesagt: Väter müssen endlich beginnen in Selbstverantwortung zu handeln. 
 

 

Die Entscheidung
Nach fünfjähriger Partnerschaft mit meiner damaligen Freundin beschäftigte ich mich zum ersten mal eingehend mit der Vorstellung, eigene Kinder zu haben. Neben den emotionalen Aspekten standen auch pragmatische Fragen wie die Rollenteilung und, da ich damals noch Student und sie erst kürzlich nach Deutschland zugereist war, die Finanzen zur Debatte. Jeder für sich und gemeinsam kamen wir schließlich zu der Entscheidung „ja, ich möchte mit dir Kinder haben“ und „wir werden das Kind schon schaukeln“.

 

Von Anfang an waren wir beide entschlossen, Arbeit, Haushalt und die Zeit mit Kindern entsprechend der jeweils aktuellen Situation und persönlichen Möglichkeiten immer wieder neu zu verhandeln und aufzuteilen. Wir waren uns einig darüber, dass wir uns gegenseitig in der Umsetzung eines zufriedenstellenden Familien-, Privat- und Berufslebens unterstützen wollten, unabhängig von äußeren Zwängen und Hindernissen. 

 

Die junge Familie nach der Trennung
Unser Konzept ging ungefähr fünf Jahre lang auf. Wir wählten beide die Selbständigkeit, jeder in seiner Branche, und konnten uns so recht flexibel und ausgewogen verwirklichen. Leider gerieten persönliche Differenzen immer mehr außer Kontrolle – vielleicht die Folge unserer individuellen Tänze auf allen Hochzeiten. Nach sechs Jahren mit gemeinsamen Kindern trennten wir uns.

 

Nach anfänglichem Gerangel hatten wir die neue Situation recht schnell wieder im Griff. Wir entwarfen ein neues Lebenskonzept mit dem wir unserer ursprünglichen Entscheidung treu blieben und uns gegenseitig als Eltern, Privatpersonen und Berufstätige unterstützen. Tatsächlich waren uns zu der Zeit keine Modelle bekannt, nach denen wir uns richten konnten – allenthalben ein Ratschlag hier oder dort über die psychischen Auswirkungen getrennter Familien auf die Kinder, aber nichts was richtig zu unserem „Wechselmodell“ passte. 

 

Wenn Kinder zwei Wohnungen haben
Es ist keine kostengünstigste Lösung, wenn die ehemalig vereinte Familie einen Doppelhaushalt in zwei getrennten Wohneinheiten führt. Beklagen möchte ich mich deswegen nicht – höchstens mal darüber, dass ich mich manchmal überfordert fühle von den vielen Dingen, die ich allein unter einen Hut bekommen muss.

Meine Söhne sind heute 9 und 11 Jahre alt und pendeln in einem 50/50-Rhythmus zwischen der mütterlichen und väterlichen Wohnung. Sie haben jeweils ihr Zimmer und alles was sie brauchen. Sie sind beide selbstbewusst, offen, mutig, einfühlsam, anschmiegsam und alles was ich mir noch so wünsche. Wir streiten auch mal heftig, kommen jedoch immer wieder zusammen, ohne die Krisen auszusitzen.

 

Was wenn?
Ich will gar nicht darüber nachdenken, wie es mir heute beispielsweise als „Alle2Wochenendenpapa“ ergehen würde. Zusammen mit meinen Söhnen meistere ich irgendwie den Alltag und all seine Unwägbarkeiten. Das macht uns zu einem unschlagbaren Team und lässt mich von einem herzlichen freundschaftlichen Kontakt auch als Erwachsene träumen.

 

Meine Expartnerin spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie trägt und prägt das System mit, pflegt mit mir den Dialog und die Organisation. Meines Wissens genießt auch sie unser Leben mit gemeinsamen Kindern in der „zerteilten“ Familie.

von Steven Cardona

 

Bildquelle: © Simon Ebel - Fotolia.com

 

 





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