100 Dinge, die ein Vorschulkind können sollte

Müssen alle Vorschulkinder dasselbe können?
Zum einen gibt es natürlich die sog. Schulfähigkeitstests, in denen bestimmte Fähigkeiten überprüft werden. Danach kann man schon sagen, dass alle Vorschulkinder dasselbe können sollten. Ich finde das aber auch unabhängig davon wichtig, um Kindern nach der Einschulung ihre Freude an der Schule möglichst lange zu erhalten. Fast alle Kinder freuen sich auf die Schule, sie wollen etwas lernen. Dort begegnen sie aber u. U. Kindern, die bereits weiter entwickelt sind, z. B. weil sie älter sind, andere Talente haben oder anders gefördert wurden. Es gibt Studien, nach denen die
Leistungsspanne in der Grundschule mehrere Schuljahre beträgt. Damit Kinder nicht schon zu Beginn Enttäuschungen erleben, finde ich es wichtig, dass sie einige Dinge können, z. B. einen Stift halten. Das hört sich albern an, aber ich habe schon Drittklässler erlebt, die sich mit der ganzen Hand am Stift festgeklammert haben. Sie haben sich so angestrengt und viel Mühe gegeben und trotzdem waren manche Buchstaben kaum zu lesen. Diese Enttäuschung hätte man den Kindern ersparen können, z. B. wenn man rechtzeitig auf eine lockere Stifthaltung geachtet hätte.

 

Wer sagt, dass ein Vorschulkind das können muss?
Es gibt – im Moment noch - keine oberste Stelle, die bestimmt, was Vorschulkinder können sollten.
Allerdings haben Schul- und Gesundheitsämter Kriterien für die Schulfähigkeit, die gelten jedoch nicht bundesweit oder landesweit einheitlich. Es gibt aber eine ganze Reihe von Studien, die zeigen, dass Kinder, die bei der Einschulung bestimmte Fähigkeiten besitzen, sich leichter tun mit dem Lernen als Kinder, die diese Fähigkeiten nicht haben.

 

Heißt das, dass der Leistungsdruck schon vor der Einschulung losgeht?
Mit Leistungsdruck hat das m. E. wenig zu tun, sondern eher damit, dass sich die Schwerpunkte in der Entwicklung verschoben haben. Kinder können u. U. gut mit dem Computer umgehen und ein Handy bedienen, aber kein Bild ausmalen und nicht auf einem Baumstamm balancieren. Gerade durch die Bewegung trainieren sie z. B. wichtige Fähigkeiten, die für mathematische Zusammenhänge bedeutsam sind. Als Kinder z. B. noch beim Abspülen helfen mussten, bekamen sie ein Gefühl für die Ähnlichkeit und die Anzahl von Dingen. Damit haben sie sich ganz nebenbei
Grundlagen angeeignet, die ihnen in der Schule zugute gekommen sind. Heute lernen sie andere Dinge, die für das Lernen der Grundlagen wie Lesen, Schreiben und Rechnen aber nicht so relevant sind. In dem Buch geht es überhaupt nicht um Leistungsdruck, sondern darum, Eltern Mut zu machen, Kinder in den Alltag einzubeziehen, weil sie nebenbei Fähigkeiten üben, die sie später womöglich mit einer Spezialförderung trainieren müssen.

 

Sind die Kriterien für alle Bundesländer gleich?
Es gibt keine bundesweit einheitlichen Kriterien, die „Checklisten“ für die Einschulung werden oftmals auf der Ebene des Landkreises erstellt, weil die Kreisverwaltung oder das Landratsamt zuständig ist.

 

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